Hier beantworten wir Fragen, die man uns, seit wir schreiben, immer wieder mal gestellt hat. Gleichzeitig sind es auch Fragen, mit denen wir selbst viele interessante Autoren für unsere Autorenzeitung “The Tempest” interviewt haben. Darunter das Autorenpaar Gerit Bertram, die Autorin Olga A. Krouk sowie die Autoren Arno Strobel und Jörg Kastner, um einige wenige zu nennen.

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Die Zusammenarbeit von Autorenpaaren ist immer auch ein kleines Mysterium für Außenstehende. Wie funktioniert das bei euch? Teilt ihr die Kapitel nach Charakteren und Handlungsstrang auf? Gibt es generell eine feste Aufgabenverteilung? Und wie geht ihr eigentlich mit eurer gegenseitigen Kritik um?

Ian Thomas: Unsere Arbeitsteilung in puncto Schreiben ist momentan vor allem dadurch geprägt, dass ich als Vollzeitwissenschaftler an der Universität Hildesheim leider weniger die Zeit habe, meine kreative Energie voll und ganz an ein komplettes Romanprojekt zu binden. So nehme ich vor allem die Position des Advocatus Diaboli ein, der Anregungen und Ideen beisteuert und durch ein gutes Maß an Distanz ein Auge darauf hat, dass die Romanserie im Ganzen stimmig bleibt. Konkret sieht es dann so aus, dass meine Frau – eine leidenschaftliche Sachbuchleserin – sobald sie ein Thema anspringt, weiter recherchiert, erste Plot- und Clou-Ideen in einem Exposé festhält und wir dann über diese Vorarbeit sprechen.

Alex Thomas: Richtig. Dann schreibe ich die erste Romanversion, die dann von meinem Mann übernommen und lektoriert wird. Das kann dann ein paarmal hin und her gehen, wobei wir natürlich über die wichtigsten potentiellen Änderungen sprechen. Meinungsverschiedenheiten bleiben da natürlich nicht aus. Doch letztendlich geht es uns um die Geschichte. Die Story soll der Gewinner sein.

Ian: So weiß ich einfach durch unsere Gespräche, dass meine Frau natürlich durch ihre Recherche und ihre wochen- und monatelange Arbeit an der ersten Romanversion einen tieferen Einblick in den Background der Geschichte und die Figuren hat. Sie ist nun mal die Hauptautorin.

Alex: Dafür hat Ian ein Händchen dafür, frischen Wind in das Beziehungsgeflecht der Charaktere zu bringen, ohne dabei den Plot zu verbiegen.

Eure Romane sind also ein Gemeinschaftswerk. Wieso taucht auf dem Buchdeckel nur der Name Alex Thomas auf?

Ian: Wegen meines Berufs war von Anfang an klar, dass wir ein Pseudonym benötigten. Wir hatten für uns auch schon eines gefunden. Da es ein männliches Pseudonym war, fand es keinen Anklang. Weibliche Autorennamen kommen offenbar besser an.

Alex: Das neue Pseudonym entwickelten wir in einem raschen Brainstorming in München mit unserer Agentin Lianne Kolf und unserer dortigen Lektorin Ingeborg Castell. Wir wollten einen Namen, der zum Genre passt und dazu auch noch geschlechtsneutral ist. Hinter Alex kann sowohl ein Autor als auch eine Autorin stecken. Mein Wunsch war es dabei, den Namen “Thomas” als Nachnamen einzusetzen. Zum einen bedeutet Thomas “Zwilling”, was gut zu uns als Autorenehepaar passt, zum anderen steht der Name Thomas für den “Zweifler”, was unserer Art des Denkens sehr entgegenkommt. Inzwischen ist zu Alex das Pseudonym Ian Thomas hinzugekommen, damit man uns z. B. in Interviews auseinanderhalten kann. Außerdem sollen auch von Ian Thomas einmal Bücher erscheinen.

Wo liegt eure Interessen-Schnittmenge als Autorenehepaar? Und in welchen Bereichen ergänzt ihr euch beide?

Ian: Unser Film-, TV-Serien-, und Dokufilm-Geschmack überschneidet sich zu gut 80 %. Auch sind wir eingefleischte Fans von DVD-Bonus-Material. Ein gutes “Making of” ist für uns mindestens ebenso spannend wie der Spielfilm selbst. Sehr viel unterschiedlicher und dafür umso ergänzender ist unser Lesegeschmack. Hier ist die Sciencefiction, auch im Hinblick auf Film- und Serien-Handbücher, die Schnittmenge. Ich lese darüber hinaus sehr gerne Fantasy aus den unterschiedlichsten Richtungen. Das reicht von Tolkiens „Herr der Ringe“ über Rowlings „Harry Potter“ bis hin zu Stepheny Meyers Twilight-Romanen und „The Host“. Zu 99 % besteht mein Lesen jedoch aus rein wissenschaftlicher Lektüre. Deshalb liebe ich den Kontextwechsel zum Lesen von figurenzentrierten Romanwelten.

Alex: Von meiner Seite kommt hinzu, dass ich seit meinem 12. Lebensjahr leidenschaftlich gerne Sachbücher  lese und so komme ich auch beruflich aus dem wissenschaftlichen Fachbuchhandel. Fasziniert haben mich schon immer die aktuellen Grenzbereiche verschiedenster Wissenschaftszweige, ganz gleich ob es dabei nun um Gehirn- und Bewusstseinsforschung, den aktuellen Stand der Teilchenphysik oder mehr oder weniger revolutionierende Entdeckungen in der Weltgeschichte ging. Auch die Differenzen zwischen Religion und Wissenschaft sind für mich ein faszinierendes Thema, ebenso Biographien und Monographien, weil es so interessant ist, zu erfahren, wie Menschen in ihrer Zeit lebten und dachten, wie Menschen und ihre Werke durch ihre jeweilige Epoche geprägt wurden, so weit ein moderner Chronist das überhaupt objektiv aus alten Zeitdokumenten herleiten kann. In der zweiten Hälfte der Neunziger fing ich dann an, die Welt der Polit-, Wissenschafts- und Religions-Thriller für mich zu entdecken, und da ich halbwegs belesen bin, konnte ich anhand dieser professionellen Romanbeispiele sehen, wie gutes Sachwissen in wohldosierter Form ein guter Background für einen Roman sein kann. In dieser Zeit keimten auch die ersten Ideen zu einer Romanserie in meinem Bewusstsein auf.

Wie lange habt ihr an „Lux Domini“ gearbeitet?

Alex: Etwa 8 Monate. Von April bis November 2008. Im ersten Monat entstand das Exposé. Dann ging es an den eigentlichen Roman, der im Anschluss an unsere Testleser ging. Nach den Testleser-Rückmeldungen im Januar 2009 erfolgten dann noch mal zwei Wochenenden mit Überarbeiten.

Wie kamt ihr auf die Idee zu „Lux Domini“?

Ian: Den Grundstein legte meine Frau. Als ich etwas Luft von meiner wissenschaftlichen Arbeit hatte, drückte sie mir eines Tages eine Art Serienbibel in die Hand, mit den ersten Charakterentwürfen, dem Setting, einem ersten groben Plot und einer Leseprobe. Ich war von dem Stoff auf Anhieb begeistert. Es machte in meinem Kopf sofort Klick und sprach meine Fantasie an. Über die Jahre haben wir dieses Basis-Dossier dann weiterentwickelt, bis zu „Lux Domini“. Geplant war von Anfang an eine Romanserie, da uns einfach zu viele Ideen durch den Kopf gingen und auch gehen.

Wie geht ihr beim Schreiben und Recherchieren vor? Seid ihr mehr intuitiv oder plant ihr jedes Detail im Voraus?

Alex: Beides. Für mich funktioniert das eine ohne das andere nicht. Ein Exposé verschafft mir den Freiraum, meine Kreativität während des eigentlichen Romanschreibens besser ausschöpfen zu können. Vor wenigen Jahren habe ich das jedoch noch ganz anders gesehen. Da war mein Credo, dass mich ein Exposé nur einengt und dass ich es nicht bräuchte. In dem Punkt hätte ich viel früher auf meinen Mann hören sollen. Man lernt wirklich nie aus.

Hinzu kommt bei mir noch eine Marotte aus meiner Kindheit, die mich beim Schreiben unterstützt. Wie mein Mann bin ich ein großer Film- und Serienfan, doch während meiner Kindheit waren gute Filme und Serien im Fernsehen mit seinen drei Programmen rar. Also habe ich mir zu meinem Lieblingsserien und Filmen via Kopfkino selbst Episoden oder Szenen ausgedacht. Während des Schreibens denke ich deshalb sehr filmisch.

Aber noch einmal zurück zum Recherchieren, denn bei der Recherche geht es nicht nur darum, den Background in Form von Sachwissen zu ermitteln, sondern auch um das Suchen und Finden gewisser Schreibtechniken. So gibt es in „Lux Domini“ historische Rückblenden. Wir hatten uns überlegt, wie wir diese am besten umsetzen, und schließlich hat mein Mann die Art und Weise wie dies am besten zu bewerkstelligen sei, für unseren Roman entdeckt. Im Grunde ging es dabei um das alte Lied ,Zeigen vs. Erzählen‘.

Ian: Ich bin ebenfalls der planerisch-intuitive Mischtyp, wobei ich denke, dass es anders auch nur sehr schwer funktionieren kann. Bevor ich eine Story schreibe, kenne ich den Anfang, die Mitte, das Ende und die wichtigsten Wendepunkte. Danach entwerfe ich ein grobes Exposé. Für mich sind Geschichten dabei immer Figuren-zentriert. Grob gesagt: Kenne ich meine Figuren, kenne ich auch die Geschichte. Wobei auch hier trotz Planung immer noch genug Raum für die Kreativität bleibt. Da ich bisher mehr im Fandom und dort in den Bereichen der SF- und Fantasy geschrieben habe, ging es bei meinen Recherchen in erster Linie um das Studieren oder Entwickeln der entsprechenden Welten, denn auch in der SF und Fantasy kann man nicht einfach nach Lust und Laune darauf losschreiben. Auch hier muss ein Universum stimmig sein.

Wie kamt ihr zum Schreiben? Gab es da ein Schlüsselerlebnis?

Alex: In gewisser Weise ja. Ich entdeckte meine Freude am Schreiben, als mich der Leiter eines Sciencefiction-Fanclubs Anfang der Neunziger darum bat, die dortigen Storybände zu lektorieren und druckfertig zu machen – weil ich doch so eine tolle elektronische Schreibmaschine hätte. Heutzutage ist es sicher unvorstellbar, ganze Stories von Hobbyautoren für einen Fanstory-Band mit der Schreibmaschine abzutippen, doch Anfang der Neunziger waren PCs in Privathaushalten, alleine schon aus Kostengründen, noch eine echte Seltenheit. Und für mich war diese direkte Auseinandersetzung mit den Fanstories so etwas wie ein überraschender Segen, denn durch das Lektorieren und die Distanz zu den fremden Texten, lernte ich, als ich schließlich selbst mit dem Schreiben anfing, viele der typischen Anfängerfehler zu vermeiden. Mein Mann führte mich dann als Informatikstudent in das Computerzeitalter ein. Wir lektorierten die Fanzines fortan gemeinsam mit der Textverarbeitung. Einfach genial!

Ian: Ich hatte schon immer Freude daran, Geschichten zu erfinden, doch ich hatte nie Geschichten aufgeschrieben. Das hatte mir der Deutschunterricht in der Schule ziemlich vergällt. Erst Jahre nach der Schule, im Fandom, begann ich zu lektorieren und zu schreiben. Meine Frau machte mir bewusst, dass ich wohl ein Händchen dafür habe, Figuren das gewisse Etwas zu verleihen. Ein paar Fanstories, die ein gutes Feedback von den Lesern bekamen, ermutigten mich weiterzumachen.

Wie umfangreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Lektorat des Blanvalet-Verlages?

Alex: Hier müssen wir sagen, dass wir bereits vor dem vorzüglichen Lektorat durch Frau Eléonore Delair beim Blanvalet-Verlag eine ganz tolle Betreuung durch unsere Literaturagentur, genauer durch unsere Lektorin Frau Ingeborg Castell, erfahren haben. Mit ein paar sehr erhellenden Federstrichen und Hinweisen machte sie uns klar, wie man „Lux Domini“ um 10 Prozent kürzen und dadurch die Spannung erhöhen konnte.

Ian: Frau Delair regte uns schließlich an, die beiden Hauptfiguren noch etwas stärker hervorzuheben,  insbesondere, was deren Motivation anging. Auch gingen wir aufgrund ihrer Hinweise stärker auf das „Lux Domini“ ein. Dass beide Lektorinnen uns auf die ein oder andere Detail-Unstimmigkeit aufmerksam gemacht haben, kommt natürlich auch noch hinzu.

Hattet ihr Einfluss auf das Buchcover, den Klappentext und die Titelwahl?

Ian: Frau Delair, hat uns von Anfang an in diese kreativen Prozesse einbezogen und uns um Ideen und Anregungen für den Titel, die Texte und das Cover gebeten. Und so kam Frau Delair auch auf den Titel für unseren Debütroman, „Lux Domini“, mit dem wir sehr glücklich sind. Bei der Buchcover-Gestaltung war es uns wichtig, dass das Cover sich von den seit einigen Jahren gängigen Thriller-Outfits deutlich abhob. Wie wir finden, ist dies sehr gut gelungen.

Ihr werdet von der Verlagsagentur Lianne Kolf vertreten. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?

Ian: So gut, wie man es sich als Autorenehepaar nur wünschen kann. Das fängt bei der geschäftlichen Beratung und Betreuung an und geht bis hin zum kreativen Gedankenaustausch hinsichtlich laufender und neuer Buchprojekte. Alles läuft sehr professionell. Alle Fragen wurden innerhalb kürzester Zeit beantwortet. Wir arbeiten sehr gerne mit Frau Kolf und ihrem Team zusammen.

Alex: Wir haben uns mit Frau Kolf und Frau Castell auch in München getroffen, um uns persönlich kennenzulernen und zu schauen, wohin uns das Schreiben und unsere Zusammenarbeit führen könnte. Uns hat besonders der trockene Humor gefallen, in den Frau Kolf und Frau Castell ihre beeindruckende Sachkenntnis und ihre pragmatische Direktheit hüllten. Alleine dafür hatte sich die Fahrt nach München schon gelohnt.

Woher kommen eure Roman-Ideen?

Alex: Inspirationsquellen sind Sachbücher, Sachzeitschriften, Dokumentationen, Romane oder Filme. Aus jeder dieser Richtungen kann die Initialzündung für einen neuen Roman kommen.

Ian: Manchmal beschert einem eine dieser Quellen auch einfach genau jenes fehlende Puzzleteil, das man noch brauchte, um aus einem noch unstimmigen Exposé ein fertiges zu machen. Wir diskutieren auch gerne TV-Episoden oder Filme, wenn uns daran etwas besonders begeistert hat. Die Inspiration kann wirklich überall herkommen. Man muss halt die Augen und Ohren aufmachen und neugierig sein.

Habt ihr Autorenvorbilder?

Alex: Jede Menge. Es gibt so viele großartige klassische und zeitgenössische Autoren, in den unterschiedlichsten Genres, deren Handwerk man mit Ehrfurcht bestaunen und von denen man lernen kann, selbst wenn  man weiß, dass man deren erzählerische Höhen selbst niemals erreichen wird. Doch so sehr ich die Klassiker auch schätze, so habe ich mich beim Schreibenlernen natürlich vor allem an erfolgreichen modernen Autorinnen und Autoren orientiert.

Ian: Dem kann ich mich nur anschließen. Wenn man eine Veröffentlichung auf dem heutigen Buchmarkt in der Unterhaltungsbranche anstrebt, macht es (überspitzt ausgedrückt) wenig Sinn seinen eigenen Stil in der Literatur des 19. Jahrhunderts finden zu wollen.

Alex: Im Thrillerbereich stehen für mich aus den unterschiedlichsten Gründen Jean-Christoph Grangé, Michael Cordy, Thomas Harris, Preston/Child oder Ilkka Remes ganz weit vorne. Im SF-Bereich sind meine Vorbilder Autorinnen und Autoren wie Nancy Kress, Frank Herbert, Alan Dean Foster, Vernor Vinge oder Andreas Brandhorst. Im historischen Sektor ganz klar Umberto Eco. In anderen Genres Harper Lee, John Steinbeck, Norman Mailer oder  Stefan Zweig.

Ian: Frank Herbert, Alan Dean Foster und Vernor Vinge gehören unbedingt auch zu meinen Vorbildern. Und natürlich eine Autorin wie Joan K. Rowling. Hervorheben möchte ich jedoch vor allem Alan Dean Foster. Seine Charaktere und seine Welten waren für mich immer besonders lebendig gezeichnet. Ebenso mag ich die faszinierenden Romanwelten von Stephenie Meyer und Nalini Singh.

Habt ihr  Schreibrituale?

Ian: Ich trinke beim Schreiben gerne ein, zwei Tassen Earl Grey Tea. Das entspannt und regt gleichzeitig geistig an. Bei planerischen Arbeiten höre ich schon mal ganz gerne etwas Musik im Hintergrund. Beim Schreiben selbst herrscht Stille.

Alex: Es fällt mir schwer, längere Zeit still zu sitzen, deshalb läute ich das Schreiben immer mit einer großen Tasse Kräutertee ein. Später, während des Schreibens, gibt es dann Kaffee. Ich brauche auch Ruhe beim Schreiben.

Wie sieht der Alltag eures Autorenlebens aus?

Ian: Als Wissenschaftler verbringe ich die meiste meiner Schreibzeit mit dem Schreiben und Publizieren von wissenschaftlichen Texten in Büchern und Fachzeitschriften von Verlagen wie z. B. Springer, Gabler oder GI. Meine Co-Autorenschaft als Romanautor fällt daher alleine in den Bereich der Freizeit. Für mich ein guter Ausgleich für das rein wissenschaftliche Denken. Fit für meine Arbeit halte ich mich durch Joggen und Mountainbiken.

Alex: Bis vor kurzem sah mein Schreiballtag ganz ähnlich aus. Der Job (teilweise Pendeln bis zu 3 Stunden), die Hausarbeit, das Familienleben und unser autorenforum.de mit der monatlich erscheinenden Autorenzeitung”The Tempest” dominierten den Alltag. Was an Zeit übrig blieb, floss in unsere Schreibprojekte und die körperliche wie geistige Erholung. Man muss sich immer wieder klar machen, dass ein Burnout schneller kommen kann, als man denkt. Dank meinem Mann kann ich die Arbeit nun ruhiger angehen. Ich schaue zu, dass die Haupt-Hausarbeit bis 9 oder 10  Uhr getan ist, dann geht es etwa 4 Stunden ans Schreiben, mehr macht für mich keinen Sinn, denn dann fange ich an Plumpaquatsch zu schreiben. Eine Stunde Walken oder Mountainbiken macht mich dann wieder munter. Danach kümmere ich mich um die Korrespondenz, auch um kleinere Arbeiten für unseren Autorenclub, (Korrekturlesen, Website-Updates, Anfragen beantworten), lese in Sachbüchern oder Romanen, bereite den nächsten Schreibtag vor, und schließlich wird es Zeit fürs abendliche Kochen.

Gibt es neben dem Thriller noch andere Genres, die euch reizen?

Alex: Der historische Roman, jedoch weniger das Mittelalter, als vielmehr die Viktorianische Ära eines Sherlock Holmes oder Jack the Ripper. Dann fasziniert mich das antike Rom. Und nicht zuletzt schlägt mein Herz für die Sciencefiction.

Ian: Ich bin ein großer Fan von Dark Fantasy und Dark Romance. Die Twilight Saga habe ich regelrecht verschlungen. Stepheny Meyer schaffte es mühelos, mich mit einer Liebesgeschichte über vier Romane hinweg aus praktisch nur einer Erzählperspektive zu fesseln. Ihr Roman “The Host” hat mir fast genauso gut gefallen. Nalini Singhs Romane über eine parallele Gegenwart, in der Engel über die Menschen herrschen. Einfach großartig.

In meiner Jugend haben mich mehr als 2000 Perry Rhodan Romane in ihrer epischen (wenn auch nicht immer schriftstellerischen) Qualität fasziniert.  Nicht vergessen darf ich Stephen R. Donaldson mit seinem Fantasy-Mehrteiler über Thomas Covenant, den Zweifler.

Wie sehen eure Schreibpläne für die Zukunft aus?

Alex: Konkret haben wir in unserer Schublade noch einige andere Romanideen, also Romanuniversen außerhalb der aktuellen Romanserie. So hat mein Mann den Entwurf für einen Dark-Romance-Roman zu Papier gebracht und erste Kapitel geschrieben. Meinerseits liegen ebenfalls noch einige Roman- und Serien-Entwürfe aus früherer und neuerer Zeit in der Schublade. Ein bisschen arbeiten wir wie die Drehbuch-Autorenteams bei Film und Fernsehen zusammen. Die Ideen gehen uns also nicht aus, doch wie heißt es so schön: Eins nach dem anderen. Anfang des Jahres haben wir nun erst einmal den zweiten Roman unserer Thriller-Serie an unsere Lektorin bei Blanvalet gesandt, dessen Erscheinen für das Frühjahr 2012 geplant ist, und mit der Arbeit am dritten Roman begonnen.

Hättet ihr noch einen Rat für angehende Autoren und Autorinnen?

Alex und Ian: Wir stehen zwar selbst erst am Anfang des Weges und haben als Neulinge noch vieles zu lernen, doch nach über einem Jahrzehnt als Herausgeber des monatlichen Newsletters “The Tempest” von autorenforum.de haben wir natürlich einige Beobachtungen gemacht:

1) Viele Wege führen nach Rom. Es gibt nicht DEN Weg zum Profiautor, genauso wenig wie es DEN Weg zum Romanschreiben gibt.

2) Alle Nachwuchsautoren, die wir kennengelernt haben und die inzwischen Profiautoren geworden sind, zeichnet folgende Eigenschaft aus: Leidenschaftliche Beharrlichkeit. Anders ausgedrückt: Mit Talent alleine wurde noch keine Kathedrale erbaut.

3) Belesenheit und ein gutes Allgemeinwissen sind für eine Autorin  und einen Autor sehr wichtig. Das Gehirn braucht Input, mit dem es Jonglieren kann. Vor allem: Lest „aktiv“, nicht nur als Konsument!

4) Neben dem Lesen ist es wichtig, dass man auch halbwegs regelmäßig schreibt. Gerade durch das Schreiben wird das Assoziationsvermögen, das Jonglieren mit dem Input, in einer ganz besonderen Weise trainiert.

5) Ebenso wichtig wie das Schreiben selbst ist die Fähigkeit schlechte von konstruktiver Kritik zu unterscheiden, und sein Schreiben dadurch weiterzuentwickeln. Wenn man das lernt, kann das Schreibenlernen und Schreiben im Fandom, in einer Autorengruppe oder in einem Schreibforum sehr fruchtbar sein.

6) Gute Ratgeber für Autorinnen und Autoren sollte man nicht verachten. Autoren-Ratgeber gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen. Manche klären über den Buch- und Medienmarkt auf, was den Realitätssinn schärft. Andere sind exzellente Schreibratgeber. Wir selbst haben aus Autorenratgebern in Verbindung mit dem Tempest und unserem eigenen Schreibenlernen sehr viel gelernt. Letztendlich bringt es die Kombination aus all diesen Dingen. Mit der Zeit lernt man zu erkennen, wann man was braucht, und die Spreu vom Weizen zu trennen. Das Leben ist nun einmal ein Wechselspiel.

7) Keinen Trends hinterher schreiben. In Genres schreiben, die man selbst von Herzen gerne liest. Nur dort wird man mit Herz und Hirn voll bei der Sache sein und das Beste aus seinem Schreiben herausholen. And last but not least: Never give up, never surrender!

[Stand: 21.Mai 2011]